Timothy Adès : Translator–Poet

Totentanz by Thomas Adès

Totentanz : Dance of Death

Thomas Adès, BBC Proms 2013

The Preacher
Ach redeliche Kreatur, ob arm, ob reich,
sieh hier das Schauspiel, jung und alt gleich.
Es denke jedermann daran,
daß niemand ewig leben kann.

Death
Zu diesem Tanz ruf ich alle ein,
Papst, Kaiser, Mönch und Bauer!
Wenn ich komme, groß und klein,
hilft euch allen keine Trauer.
Bedenket ihr zu aller Zeit,
gute Werke mitzubringen,
Um eure Sünden zu verzeih’n.
Ihr müßt nach meiner Pfeife springen!

Death to the Pope
Herr Papst, du bist der höchste nu,
tanzen wir vor, ich und du!
Kreuch aus dem Vatikan
in diesen Sarg hinein.
Hier trägt dein Scheitel noch
das Golden von drei Kronen,
der Hut ist viel zu hoch,
du mußt jetzt enger wohnen.

The Pope
Ach Herre Gott, was nützt es mir,
so hoch im Rang zu werden?
Wie alle Menschen hier
bin ich dereinst nur Erden.

Death to the Emperor
Auf, großer Kaiser, auf,
segne dein Reich und die Welt!
Und wiße, daß ich dir
den letzten Tanz bestellt.
Mein alter Bund gilt mehr
als Apfel, Schwert und Bullen,
Wer mir Gesetze schreibt
mahlt eitel blinder Nullen.

The Emperor
O Tod, dein Angesicht so bleich,
verändert mir mein ganzes Wesen.
Ich war der mächtigste und reich,
keiner kam mir im entfernt’sten gleich.
Könige, Fürsten und Herren
Sich beugten und mich verehrten
Jetzt machst du, schrecklichste Form
Aus mir Speise für den Wurm.

Death to the Cardinal
Sag gute Nacht der Welt
bestürzter Kardinal!
Dein Ende rufet dich
zur ungezählten Zahl.
Das weiß ich, Sohn, du hast
viel Gutes hier empfangen
Ich weiß nicht, was du dort
wirst für ein Teil erlangen.

The Cardinal
Meiner, Herr, erbarme dich!
Nicht entfliehen kann ich dir.
Seh ich vor oder hinter mich
spür ich den Tod schon nah bei mir.
Was nützt mir mein Rang auf Erden
Meine Kleider aus Burgund
Ich werd’ unwürdiger werden
Als ein stinkender, unreiner Hund.

Death to the King
Denk an den wahren Spruch,
den Toten abgefaßt,
der heute König heißt
liegt morgen ganz erblaßt.
Alsdann so kann man dich
nicht mehr großmächtig schreiben,
Weil deine Macht zu schwach
die Würmer zu vertreiben.

The King
O Tod, dein Spruch hat mich erschreckt!
Diesen Tanz, den kenn ich nicht.
Jetzt ist dein Beil ins Ziel gesteckt:
so raubst Du mir mein Reich.

Death to the Monk
Hör Abt! Die Glocke schlägt
die dich zu Bette ruft,
Nun tanze fort mit mir
zu der bestimmten Gruft.
Inzwischen laß die Furcht
der Einsamkeit verschwinden,
dort wirst du ein Convent
von tausend Brüdern finden.

The Monk
Mein strenger Orden schreibt
mir tausend Regeln für,
Jetzt greift der Tod mich an
und rufet: Folge mir!
Ich bin noch nicht bereit
mein Kloster zu verlaßen
Wenn ich die Regul nur
der Sterbekunst könnt’ faßen!

Death to the Knight
Kein Eisen schützet dich
vor meinen scharfen Pfeilen.
Ritter! Du mußt mit mir zum Tanz
in leichter Rüstung eilen.

The Knight
Ihr Helden schauet mich
in diesen Waffen an!
So focht ich als ein Löw,
so stund ich als ein Mann.
Bis daß mein Gegenpart
gestrecket lag zur Erden.
Nun will der letzte Feind
an mir zum Ritter werden.

Death to the Mayor
Bürgermeister, für dein Arbeit, für dein Leben
großen Lohn hast du empfangen.
Was dir zusteht, wird dir gegeben.
Nach mir hattest du kein Verlangen.
Für deine Sünden reuig sei!
…Mediziner, an die Reih’!

The Mayor
Oh weh, wie quälet mich der Tod,
an das Sterben hab ich kaum gedacht.
Jetzt muß ich reisen und weiß nicht wohin,
eh ich mein’ Sünden hab gut gemacht.

Death to the Doctor
Beschaue dich nur selbst
und nicht das Krankenglas
Du bist dem Körper nach
so dauerhaft als das.
Ein Stoß zerbricht das Glas,
der Mensch zerfällt im Sterben
Was findet man hernach
von beiden? Nichts als Scherben.

The Doctor
Viele Menschen hülfe ich
wenn es nur möglich sei.
Aber helfen gegen dich
tut keine Kunst noch Arzenei.

Death to the Usurer
Wucherer, ich ford’re deinen Rest
als meinen Zins von dir
Zahl ab! und laß die Last
deines schweren Beutels hier.
Komm mit mir in meinen Reigen
Wucherer, folge mir ins Schweigen.

The Usurer
O Tod, du unerwarteter,
Mit Freud’ genoß ich viel Besitz.
Muß ich jetzt sterben, ist mir schwer.
Vorstellt’ ich mir nie dein Antlitz.

Death to the Merchant
Jetzt mußt du in ein anderes Land
Kaufmann, reiche mir die Hand.
Zahl aus und liefer mir
den Anteil meiner Ware,
so viel ich faßen kann
auf einer Leichenbahre.

The Merchant
Meine Rechnung geht noch nicht auf,
sonst ginge ich fröhlich mit deinem Lauf.
Es liegt mir fern, bereit zu sein
obwohl ich habe Kleider
für Land und für die See
für Regen, Wind und Schnee
Doch nicht für diese Reise.

Death to the Parish Clerk
Küster, Bruder, komm heran.

The Parish Clerk
Ach Herr Tod, nun ich erst zu dienen begann!
Hab ich doch fest daran geglaubt,
Daß niemand mir den Aufstieg raubt.
Ein hohes Amt, mein ganzes Ziel —
Jetzt ist mir klar, daß es zerfiel.
Nichts wird mir mehr gelingen,
Der Tod wird mich verschlingen.

Death to the Parish Clerk
Gelingt es dir, dich hochzuheben
Kommt dir mehr Gefahr ins Leben
Doch streibst du weiter Jahr für Jahr,
So bringst du dich nur in Gefahr.
Drum folge mir, begleite mich,
Damit kein Hochmut packe dich
Und bleibe gottesfromm.
…Nu, Mann des Handwerks, komm.

The Handworker
Ach weh, was wird mir geschehen?
übles ist mir vorgesehen.
Nachläßig war ich, unbedacht,
Und auch mein Handwerk schlecht gemacht.
Ich schätzte meine Güter sehr
Muß ich dich beten, lieber Herr,
All meine Sünden zu vergeben
O führe mich ins ew’ge Leben!

Death to the Handworker
Handwerker, Schurken allgemein!
Ihr achtet wohl auf alles Klein.
Sich wechselseitig gern betrügen
Und dies und das zusammenlügen.
Ihr denkt so selten an der Tod
Der Euch wie allen and’ren droht
Für euer Seele wird es schwer.
…Bauer, in den Reigen, kommet her.

Death to the Peasant
Komm Landsmann zu dem Tanz,
von Müh’ und Arbeit heiß
So schwitzest du zuletzt
den kalten Todeßchweiß.
Mit deiner Mühsal und Ehrlichkeit
gehört dir das Himmelreich.
Du kannst wohl fröhlich tanzen,
nun komm’ zu mir sogleich.

The Peasant
Ich trug des Tages Last und Not
und aß mein schwerverdientes Brot.
Doch will mein Führer mich
zu sanfter Ruhe bringen,
so kann ich wohlvergnügt
das Consummatum singen.

Death to the Maiden
Ich halte wie die Welt
von Komplimenten nichts.
Muß sagen mein hartes Wort,
das Stahl und Eisen bricht.
Und warum wollt ihr mir
den letzten Tanz versagen?
Die Jungfrau’n pflegen sonst
kein Tänzchen abzuschlagen.

The Maiden
Ich spür von der Welt die Freude.
Dich kenn ich nicht, fremder Mann.
Ich folge, weil ich muß,
und tanze, wie ich kann.

Death to the Child
Nimm zarter Säugling an den frühen Sensenschlag.
Und schlaf hernach getrost bis zu dem Jüngsten Tag!

The Child
O Tod wie soll ich das verstehen?
Ich soll tanzen und kann nicht gehen!

Anonymous, 15th century


Good folk, rich or poor,
come to see the play: young and old alike!
Let everyone think on this:
no-one can live forever.


To this dance I bid you all:
Pope, Emperor, monk and peasant.
When I come, great and small,
no grieving helps you.
Always think
of having good works
to pardon your sins.
You must dance to my pipe!


Sir Pope, you are the highest,
let’s lead the dance, you and I!
Crawl from the Vatican
into this coffin.
Your pate still bears
the gold of three crowns;
your hat is much too high,
you must narrow down your home.


Ah Lord God, what good to me
is my high rank?
Like anyone here,
I shall be mere earth.


Up, great Emperor,
bless your empire and the world!
Know that I have decreed
your final dance.
My ancient bond outweighs
orb, sword and seal.
To write laws for me is futile:
it achieves simply nothing.


Death, your pale face
changes all my being.
I was the mightiest, rich,
unrivalled at any distance.
Kings, princes, lords
bowed low and honoured me.
Now, loathsome form,
you feed me to the worm.


Say goodnight to the world,
fallen Cardinal!
Your latter end calls you
to the uncounted throng.
My son, I know you undertook
much good here:
there, I don’t know
what will be your portion.


Sire, have mercy on me!
I cannot flee from you:
behind me and before,
I sense Death close by.
What use to me are my rank on earth,
my clothes of Burgundy?
I shall be worth less
than a filthy stinking dog.


Think on the true saying
written for the dead:
he who is called king today
is pale and prostrate tomorrow.
So you can no longer
be called mighty,
for your might is too feeble
to repulse the worms.


Death, your words terrify me!
I don’t know this dance.
Your axe is deep in its target:
you steal my kingdom.


Hear, abbot! The bell tolls,
calling you to bed.
Dance away with me
to your appointed crypt.
Meanwhile dismiss any fear
of loneliness:
you shall find a monastery
of a thousand brothers.


My strict order prescribes me
a thousand rules.
Now Death attacks me,
cries ‘Follow me!’
I’m not yet ready
to leave my cloister:
if only I could grasp the rules
of how to die!


No iron can protect you
from my sharp arrows.
Knight, you must come quickly,
light–armed, to dance with me.


You heroes, look at me
in this armour!
I fought like a lion,
I stood like a man,
till my enemy
was laid out on earth.
Now I face a new knight,
the final foe.


Mayor, for your work and life
you have had great reward.
All that’s owed you, is given you.
I am not what you desired.
Repent of your sins! …
Doctor, join the line!


Woe! How Death torments me.
I’ve scarcely thought of dying.
Now I must go, I don’t know where,
before I can put right my sins.


Just examine yourself,
not the sick man’s glass:
your body is no more
durable than that.
Glass breaks at a blow,
man shatters in death.
What is left of both?
Nothing but shards.


I’d help many people,
if I only could.
But against you,
medical skill is no help.


Usurer, I demand your residue
as my interest.
Pay up! Lay down the load
of your heavy purse.
Come with me into my roundelay, usurer,
follow me into silence.


Death, unexpected!
I have enjoyed great wealth.
So now I must die: that’s hard.
I have never imagined your face.


Now you must visit another land,
merchant: give me your hand.
Total up and deliver
my share of the goods,
as much as I can lay
on a funeral bier.


My account is not yet made up,
else I’d gladly go along with you.
I’m far from ready,
though I have clothes
for land and sea,
for rain, wind and snow:
but nothing for this journey.


Parish Clerk, brother: come forward.


Sir Death, my service has only just begun!
And I firmly believed
no–one would rob me of promotion.
High office was my whole aim:
now clearly it has collapsed.
I’ll have no more success:
death will swallow me.


If you manage to rise higher,
more danger comes into your life.
By years of exertion,
you only come into danger.
So follow me, keep me company,
don’t be caught by vanity,
abide in fear of God.
…Now, Handworker, come.


Woe, what will happen to me?
The prospect is not good.
I was neglectful, thoughtless,
even did my handwork badly.
I treasured my possessions.
Dear Lord, I beg you
to forgive all my sins.
Lead me into eternal life!


Handworkers, rascals one and all!
Your concerns are petty,
you readily cheat each other,
you concoct all sorts of lies.
You so rarely think about Death,
who threatens you like all the rest!
It’ll be hard for your soul.
… Peasants, come forward into the ring.


Rustic, come to the dance,
hot with labour and toil.
At last you shall sweat
the cold sweat of Death.
With your honest effort,
the heavenly kingdom is yours.
You can dance joyfully indeed!
Come to me, now.


I bore the day’s burden and need,
and ate my hard–earned bread.
But now my Guide shall
bring me to sweet repose:
contented I may sing
Consummatum Est.


I don’t hold with the world,
I pay no compliments.
I say my harsh words
that break iron and steel.
And why do you deny me
the last dance?
Girls don’t usually
turn down a little dance.


I sense the joy of the world
Stranger, I don’t know you.
I follow, since I must,
and I dance, as I can.


You tender babe, behold the scythe’s untimely blow.
Till the last day, sleep now: sleep on, consoled.


O Death, how can I understand?
I cannot walk, yet I must dance!

Translation: copyright © Timothy Adès

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